Auszüge eines Berichtes der Zeitschrift Katzen extra, Heft 3/99 von Ingo Fausmann
Die nun folgende Anzeige könnte am heutigen Tage in etwa so in Ihrem lokalen Wochenblatt – Anzeiger in der Rubrik „Tiermarkt” abgedruckt sein:
Verschmuste Perserbabys „von und zum Miezeschlößchen”, 12 Wochen alt, in verschiedenen Farben abzugeben – nur in beste Liebhaberhände! Der totale Kampfpreis: Einzeltier 399 DM – oder als liebes Pärchen: je Tier nur 299 DM! Freundliche Dosenöffner melden sich am besten gleich unter (04 21) XX XX XX bei Heribert. P.S.: Schönen Tag noch!
Ich verrate Ihnen, was Ihnen als Katzenfreund oder -Züchter und Leser dieses Magazins jetzt vermutlich so durch den Kopf geht:
Der Mann macht ja wohl ganz schön die Preise kaputt – was soll denn das? Katzen wie Apfelsinen anzubieten und dann noch zum ermäßigten Preis im Doppelpack – mein Gott ist das scheußlich! Bei dem Preis stimmt irgendwas nicht – die Tiere sind sicher krank oder haben irgendwelche Defekte. Ein Segen, das die Vorwahl nicht bei mir um die Ecke ist, denn zu dem Preis will ich meine eigenen Kitten bestimmt nicht abgeben.
Wie aber könnte nun die Wahrheit sein, die sich hinter der Anzeige verbirgt?
Die „minimale Vollkostenrechnung”
Es gibt viele Möglichkeiten, warum Jungtiere geradezu verschleudert werden. Hier ist schon eine praktisch nachvollziehbare:
- Heribert ist nicht Mitglied eines Katzenzüchter-Vereins und Mus deshalb bestimmte Vorgaben (z.B. was die erlaubte Deckhäufigkeit der Mutterkatze betrifft) auch nicht einhalten.
- Er kann seinen Tieren trotzdem einen netten Namen geben – und da keiner widerspricht, solange der Mann nicht zufällig einen bereits existierenden Zwingernamen ebenfalls belegt – wird das niemanden auf den Plan rufen
- Heribert hat keine Stammbaum-Papiere für seine Stubentiger, aber die potentiellen Liebhaber stört das nicht weiter, da ihnen erläutert wird, diesen Kostenfaktor könne man sich gemeinsam sparen – und Papiere seien eh nur wichtig, wenn man mit den Katzen irgendwie weiter züchten wolle.
- Auch bei den Vorkosten musste Heribert nicht „in die Vollen gehen”: Den Deckkater bekam er von einer Frau geschenkt, die ihre Zucht über Nacht auflöste, nachdem ihr jemand den Floh ins Ohr gesetzt hatte, sie als Schwangere solle sich sofort von allen Katzen trennen, wenn ihr das Wohl ihres Kindes am Herzen läge. Die Kätzin hatte der sog. Züchter ebenfalls gratis erhalten, da sie über eine Fehlstellung ihrer Zähne verfügt, deshalb von einem (seriösen) Züchter nicht zu Fortpflanzungszwecken eingesetzt wurde – und über einen Umweg letztendlich in die Hände des geschäftstüchtigen Katzenvermehrens gelangte.
Heribert gelingt es, die vier Tiere seines Wurfes innerhalb von zwei Wochen zu veräußern: zwei als Solotier und zwei als ein Pärchen. Damit kann er knapp 1.400 DM in seiner Kasse begrüßen. Sein Kostensaldo errechnet sich wie folgt:
- Die Tiere bekamen Billigfraß aus Großdosen vorgesetzt. Kosten pro Tier inkl. Zusatzfuttermittel: 1 DM pro Tag. Macht bei vier Tieren und etwa 13 Wochen insgesamt 365 DM.
- An staubhaltigem Billgstreu aus dem Gartencenter von nebenan verbrauchte jedes Kitten täglich für 0,35 DM Material. Gesamtkosten bei 13 Wochen: 12S DM.
- Zwei Anzeigen in der Örtchen Gratisplattpresse schlugen mit insgesamt 80 DM zu Buche.
- In der achten Woche hat Heribert gegen Katzen- schnupfen und -seuche (RCP) impfen lassen (je Tier 50 DM) – dazu kamen insgesamt 25 DM pro Tier an sonstigen Veterinärkosten. Die Impfungen für die 12. Woche brummte er bereits den neuen Besitzer über. Macht in Summe: 300 DM.
Die Rechnung ist jetzt ganz einfach: zieht der Möchtegern Züchter die Ausgaben von seinem Verkaufserlös ab, hat er auf die Schnelle immerhin über 500 DM ein gestrichen – und ein Extremfall dürfte das nun auch nicht sein, denn immerhin hat sich der Mann sogar noch um die erste Grundimpfung gekümmert, was auch nicht immer der Fall ist. Ob die Decktiere prädestiniert dafür gewesen sind, mit ihnen überhaupt zu „züchten” und ob Heribert den ideellen Wert der Katzenzucht hier nicht mit Füßen getreten hat, soll nicht Gegenstand der Diskussion sein. Faktum ist jedoch: Als Züchter wie auch als Liebhaber haben Sie mit solchen Kreaturen der Gewinnmaximierung zu tun, die der seriösen Hobbyzucht durchaus Konkurrenz machen und an unbedarfte Tierfreunde auch Katzen veräußert bekommen
Die Faktoren des Konkurrenzumfeldes
Dass Rassekatzen teurer sind als „ganz normale” Kätzchen vom Bauernhof nebenan – das weiß jeder. Doch zusätzlich zu den oben dargestellten Billig-”Züchtern”; befindet sich der seriöse Rassekatzenzüchter auch in Konkurrenz zu allen anderen Anbietern, die an Liebhaber zu günstigeren Preisen Tiere abzugeben haben. Gerade zwei Tage bevor der Verfasser diese Zeilen hier verfasste, führte er sich wieder einmal eine in den Dritten Fernsehprogrammen regelmäßig ausgestrahlte Tiersendung zu Gemüte, in der es um die Vermittlung von Tierheimtieren geht und in der – in netten kleinen Filmberichten – auch Liebhaber zu Worte kommen, bei denen man nach einem halben Jahr mal nach recherchiert, wie sich das Tier in die Familie eingewöhnt hat. Die Besitzer durften dann auch vor laufender Kamera wiederholt und in geradezu aufdringlicher Weise die Devise ausgeben: wenn ein Tier, dann immer und nur aus dem Tierheim – warum wollen Sie denn bloß diese Züchter- ”Maschinerie” unterstützen? auch wenn Sie sich als Zuchtexperte jetzt denken, auf so eine Minimallogik könne der ganze Komplex wohl kaum zusammengestrichen werden, so ist es eine Tatsache: Solche Meinungsmache ”sitzt” – und kommt bei Liebhabern, die jede Mark zweimal umdrehen müssen, unter Garantie auch an. Außerdem ist es eine emotionale Sichtweise, die von vielen Leuten unterstützt und für richtig befunden wird. Auch wenn die folgenden Zeilen bei einigen Züchtern zu der Folgerung führen: „Habe ich doch alles schon gewusst!”, dann machen Sie sich bitte klar, dass Sie die Weisheiten einer seriösen Kostenrechnung auch haarklein dem (unwissenden) Liebhaber nahe bringen müssen. Ich bin mir sicher, dass es in vielen Fällen einfach vergessen wird wichtige Infos zu nennen – denn ansonsten gäbe es weniger Diskussionsbedarf um die Frage der angeblich so teuren Tiere aus Hobbyzuchten. Und das Tierheime bei der Kostenerstattung für vermittelte Tiere ebenfalls innovativ sind (was im übrigen ja auch nicht verboten ist), zeigt das folgende Beispiel, welches mir unlängst eine Katzenfreundin erzählte. Kaum hatte die Frau sich ein schönes Langhaartier ausgesucht, welches sie mitnehmen wollte, machte man ihr keine Rechnung auf, warum sie 100 oder 150 DM bezahlen sollte, sondern fragte sie vor der Abgabe der Katze an sie ohne Umschweife: „Wir machen das so: Sie sagen uns ganz einfach, wie viel Ihnen dieses liebe Tier wert ist. Und das Bargeld legen Sie hier auf den Tisch. Na, und dann schauen wir mal!” Dass die Interessenten sich dann schon rein psychologisch nicht gewagt hat, nur einen Hunderter auf den Tresen zu legen, ist sicher allgemein nachvollziehbar …
Die quantifizierbaren Kosten der Katzenzucht
Wer nun einen übersichtlichen Textkasten sucht, in dem man ganz einfach nachlesen kann, welche Kosten denn nun wirklich entstehen, bis man seine Kitten abgibt, der wird sich leider enttäuscht sehen, denn nur die wenigsten Positionen sind in Heller und Pfennig exakt planbar und umlegbar. Als Züchter werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit eine sogenannte „Hobbyzucht” und keinen Gewerbebetrieb ausüben und sind damit von einer steuerlich geltend zu machenden Einnahmen- Überschussrechnung fürs Finanzamt befreit. Das ist vermutlich auch gut so, denn würden Sie sich die Mühe machen eine Vollkostenrechnung aufzustellen und in Ihrer Steuererklärung als nebenberufliche selbständige Tätigkeit aus zuweisen, dürften Sie schnell erkennen, dass Sie mit Ihrer Katzenzucht einen herben Verlust einfahren. Da Ihnen das dauerhaft „gelingt”, werden Ihnen die Finanzbehörden mittelfristig unterstellen, dass Sie keine Gewinn-Erziehungsabsicht, sondern im Gegenteil Liebhaberei betreiben. In diesem Fall dürfen Sie die eingesparten Steuern aus Ihren Zuchtverlusten dann en bloc nach entrichten, und das tut finanziell empfindlich weh … Wir wollen uns im Folgenden mit den Aufwendungen beschäftigen, die als kosten treibende Faktoren in Ihre Hobbykalkulation als Züchter eingehen. Dabei machen die immer wiederkehrenden Festkosten nur einen wirklichen Bruchteil Ihrer Gesamtaufwendungen aus:
- Als verantwortungsvoller Züchter füttern Sie keine billigst-NO-Name-Marke und füllen eine gute Einstreu ins Kistchen. Für Hygieneartikel sowie Futtermittel und Futtermittelergänzungen wollen wir hier einmal täglich 5 DM (pro Katze versteht sich) ansetzen.
- Sie lassen in der achten Woche impfen (RCP) sowie in Woche 12 – hier eventuell sogar erweitert (RCPl) und sind, grob geschätzt hierfür 110 DM je Jungtier los – plus als Puffer (minimal!) 20 DM für zusätzliche Tierarztkosten. (Von „Luxus”, der keiner ist, wie FeL- und FIV-Test, großem Blutbild mit Eiweißelektrophorese, einer Leukoseimpfung und einem Gesundheitszeugnis, wollen wir hier gar nicht reden …)
- Sollten Sie – so wie Heribert am Artikelanfang – über Anzeigen verkaufen, ist es sicher nicht falsch anzunehmen, pro Anzeige würde (höchstens) ein Tier verkauft. Bei vier Anzeigen hätten sich dann im positiven Falle ihr Kitten-Quartett an die neuen Oberkatzen gebracht. Nehmen wir als minimalen Mittelwert einmal an, Sie haben pro Anzeigenschaltung Kosten von 50 DM.
- Rechnen wir jetzt diese Fix kosten zusammen, laufen binnen der ersten 12 Wochen insgesamt 600 DM (und das ist ein echtes Minimum) pro Tier auf. Das sind aber bei weitem nicht die Ausgaben, die sie als Züchter haben.
Klein = ganz süssGross = weniger süss
Wenn Sie nicht zu dem erlauchten Kreis der renommierten Züchter gehören, die alle ihre Tiere aufgrund von Vorab-Reservierungen bereits automatisch vorverkaufen (was schon deshalb nicht funktioniert, weil jeder einmal „klein angefangen” hat), dann wird es Ihnen nicht immer gelingen, dass Sie alle Ihre Jungtiere dann veräußert bekommen, wenn diese gerade ihren dritten Lebensmonat hinter sich gebracht haben. Das ist schon einmal unangenehm für jeden Züchter, der seine Hobbyzucht in (viel zu) kleinen räumlichen Verhältnissen betreibt und schon aus diesem Grund nicht locker den Nachwuchs über mehrere Monate in den eigenen vier Wänden beherbergen möchte. Mit dem spitzen Rechenstift ausgedrückt, heißt das aber auf jeden Fall Folgendes:
- Mit jeder Woche, mit der ein Jungtier weiter bei Ihnen verbleibt, fallen weiterhin Fix kosten bei Ihnen an, ohne dass das Kätzchen dadurch an „Marktwert” gewinnt.
- Im Gegenteil: Viele Liebhaber sind enttäuscht, wenn man ihnen eine sechs Monate alte Samtpfote anbietet, die dann als „so-alt-ist-die-schon” ab qualifiziert wird. Das soll nicht heißen dass diejenigen Menschen, die solche Äußerungen tätigen, automatisch die miesesten Kretins überhaupt sind, die eine ausgewachsene ein Jahr alte Katze dann auf dem nächsten Rastplatz aussetzen werden. Das heißt sachlich einfach nur, dass die Interessenten gern. ihren neuen Stubentiger von klein auf begleiten wollen, was nicht unbedingt gleich verwerflich ist. Andererseits ist es auch ein marktwirtschaftliches Faktum, dass älter werdende Katzen aufgrund von einem abnehmenden „Emotionsbonus” im Preis eher sinken, auf jeden Fall aber als Liebhabertier meist nicht steigen werden.
Das Fazit lautet daher: Die Kosten steigen schleichend, während die ‘Erlössituation gleichzeitig proportional sinken wird. Das mag alles nüchtern oder gar brutal klingen, doch muss es schon deshalb so emotionslos angesprochen werden, damit jeder potentielle Katzenzüchter sich von vornherein ungeschönt darüber klar werden kann, ob das Betreiben dieses reizvollen ästhetischen Hobbys ihn nicht letztendlich selbst in herbe finanzielle Schwierigkeiten bringen könnte.
Die Unwägbarkeiten der Zucht
In jeder Zucht treten in unregelmäßiger Weise immer wieder einmal Problemfälle auf. Das ist an sich gar nicht ungewöhnlich oder schlimm, denn Lebewesen sind keine Maschinen, die exakt so funktionieren, wie sich das der „Auftraggeber” mal irgendwann so ausgedacht hat.
Tiere mit Problemverhalten verlangen nach besonders erfahrenen und geduldigen Katzenfreunden, um tatsächlich in die so oft zitierten „allerbesten Hände” zu gelangen. Das aber heißt, die Suche danach gestaltet sich möglicherweise langwierig – und wer dem neuen Besitzer vielleicht die nächsten 15 Jahre ungewöhnliche tägliche Eigenarten bescheren wird, der dürfte als Tier in den meisten Fällen zu einem besonders „subventionierten” Preis übereignet werden, der ganz sicher auch als Vorab-Kompensationsangebot für die Folgeprobleme zu verstehen ist.
Andererseits wäre es töricht, Eigenheiten wie die oben erwähnten „Macken” zu verschweigen, denn dann wird mit hochgradiger Wahrscheinlichkeit bereits nach ein bis zwei Wochen der Fall eintreten, dass die neuen Besitzer um eine Rückgabe des Tieres nachsuchen. Diese Situation aber ist für den Züchter vermeidbar.
- Apropos Rückgabe: Nicht unterschätzt werden sollte, dass eine nicht geringe Anzahl an Kitten gegen Erstattung des (Fast-) Kaufpreises doch wieder zurückgegeben wird. Daran ist nicht immer der böse Papi schuld, den man eines Abends zu Hause mit einer Samtpfote begrüßt – und der daraufhin förmlich ausrastet und den Befehl in der Familie durchdrückt, am nächsten Tag das Tier zurückzubringen, bevor er „sich vergisst”.
Unvorhergesehene Ereignisse können jeden Züchter zu einer Rücknahme veranlassen. Eine Allergie gehört zum Beispiel dazu – und tritt auch bei Katzen-Neubesitzern gar nicht mal so selten auf. Wer also nach fünf Tagen bei Ihnen mit auf gequollenem Gesicht wieder vor der Tür steht, den werden Sie wohl rasch von der Katze wieder „erlösen” – selbst wenn es noch eine Woche vorher nach „Liebe auf den ersten Blick” aussah.
Die „hohe Kunst” des Deckakts
Vielen Leuten ist nicht gänzlich klar, dass Zuchttiere nicht einfach so aus dem Nichts gekommen sind und folglich nur noch zusammengebracht werden müssen. Zuchtkater und -kätzinnen kosten hartes Geld – und wer will, der kann auf der nach oben offenen Dollarskala für einen erstklassigen US-Import durchaus schon mal mehrere tausend Dollar über den Tresen schieben, die ja eigentlich auch mit in die Kalkulation der Aufwendungen für die Jungtiere miteingehen müssten. Dass der neue Besitzer zudem die Fracht bezahlt – oder noch besser: sein Tier drüben mit einem teuren Flugticket selbst abholt und somit vor Ort überwacht, dass sich sein neuer Zuchtschatz nicht schon vor dem Transport aus einer versehentlich nicht richtig verschlossenen Kiste ins Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten verdünnisiert -, das sollte nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.
Aber mit dem alleinigen Kauf von Tieren, die zur Zucht geeignet erscheinen, wird der Züchter nicht immer auskommen, zum einen möchte man vielleicht auch einmal eine Verpaarung mit einem fürs eigene Tier prädestinierten Farbschlag ausprobieren. Zum anderen kann es auch so sein, dass man sich das Risiko von im Haus übel herumspritzenden Deckkatern einfach nicht antun will und deshalb klugerweise nur Katzendamen hält. Das Risiko also auf andere abzuwälzen, kann sehr schlau überlegt sein – allerdings: Es kostet was, und das manchmal nicht zu knapp.
Die sogenannte „Deckgebühr” wird dann fällig, wenn Sie die Katze aus Ihrer Zucht zum ausgewählten Deckkater bringen, der – wie, es oft so schön heißt – sich doch immer gern auf gesunden Damenbesuch freut. Rein praktisch bedeutet das aber ohne Beschönigung folgendes:
- Sie reisen mit Ihrer Katze zum Besitzer des Katers, für den dann die Kasse klingelt. Das kostet Zeit, Benzin- und eventuell auch Übernachtungsgeld, abgesehen davon, dass es Tiere gibt, für die diese Art von Annäherung in fremder Umgebung eine psychische Qual ist.
- Bargeld ist also angesagt. Nehmen wir einmal an, die Sache kostet Sie 800 DM. Natürlich ohne Erfolgsgarantie, denn es kann gut sein, dass es aus den verschiedensten Gründen, nicht „einschlägt”. Fairer weise haben Sie (bzw. Ihre Katze) dann meist ein bis zwei „Nachtbesserungsversuche”. danach aber ist das Geld futsch, und das vielleicht nur deshalb, weil die „Chemie nicht gestimmt hat” - und der Deckkater konnte auch nichts dafür, denn der wollte seine Arbeit durchaus verrichten …
- Bevor Sie so eine Aktion durchziehen, kommen auf jeden Fall schon einmal ärztliche Gesundheitstests sowie geforderte zusätzliche Impfungen für Ihr Tier auf Ihren Geldbeutel zu. Auch diese Kosten sind einkalkulieren – und müssten eigentlich auf den Nachwuchs auch noch umgelegt werden …
Übrigens kann es durchaus vorkommen, dass Sie als Züchter bereits ein Kitten aus bestem Hause für eigene Zuchtzwecke erwerben – nur: Das von Ihnen auserwählte Tier hat sich seine Zukunft anders geplant. So ein Exemplar wohnt zum Beispiel im Hause vom Verfasser dieses Artikels. Züchter hatten diese Harlekin-Perserkätzin vor drei Jahren für ihre Zucht gekauft. Deren Deckkater wollte sich dem Projekt denn auch annehmen, nur hatte die Perserdame für der artige Orgien leider nichts übrig. Ihr Motto lautete: Spielen: ja – aber ansonsten an ihr herum machen: nein. Die Folge davon: Die Samtpfote wurde wegen „Erfolglosigkeit” frustriert an den Autor als Liebhabertier vermittelt. Für den Züchter allerdings hat das ganz emotionslos und kaufmännisch gesprochen geheißen: Er hat viel Geld kaputtgemacht – und es ist ihm aufgrund seiner Wohnfläche auch nicht möglich, auf Dauer diverse Katzen weiter zu beherbergen, die nicht seinem Zuchtziel dienlich sind …
Weitere Unwägbarkeiten können dazu führen, dass der Züchter teuer erworbene Tiere als verantwortungsvolle Person auf einmal aus seiner Hobbyzucht gänzlich herausnehmen muss. Jüngstes Beispiel: das PKD-Problem. Der authentische Fall eines mir bekannten Züchters: Vor einem halben Jahr ließ er seine sechs Perser auf PKD untersuchen. Als erster Kostenblock waren die Untersuchungs- und Herichtskosten von insgesamt 500 DM fällig. Das Ergebnis erbrachte: vier teure Importtiere, die für insgesamt 10.000 DM vor drei Jahren über den grossen Teich eingeflogen worden waren, sind PKD-positiv. Es ist unnötig, sich an dieser Stelle noch weiter über die Kosten solcher Imponderabilien der Katzenzucht auszulassen.
Kosten ohne Ende
Wir sind aber noch lange nicht am Ende der Kostenspirale angelangt. Als Züchter, der sich der ideellen Seite der Katzenzucht verschrieben hat, leben Sie mit Ihren Tieren nicht einfach nur so vor sich hin. Erst einmal treten Sie einer seriösen Züchtervereinigung bei. Auf Sie kommen dadurch der jährliche Mitgliedsbeitrag und die Kostenüberwälzung der zu erstellenden Stammbaumpapiere für die Kitten regelmäßig dazu. Ich weiß, dass etliche Züchter nach ausgiebigen gen Kostenrecherchen demjenigen Verein beitreten, der hier mit den geringsten Gebühren auftrumpft, aber seien Sie versichert, dass das weder ein Qualitätsmerkmal (positiv wie negativ) darstellt – und es auch in Ihrer Gesamtkalkulation eine wirklich unwesentliche Rolle spielen dürfte, ob Sie einen Stammbaum für 30 oder für 60 DM ausgestellt bekommen. Wichtiger ist ganz sicher, ob Sie mit der Darstellungsweise und den Zielen eines Vereins übereinstimmen – oder ob Sie beispielsweise der Meinung sind, dass er einen Rassestandard vertritt und fördert, den Sie selbst entschieden ablehnen. Das aber dürfte keine Frage des Geldes, sondern der eigenen Charakterstärke und des guten Geschmacks sein …
Wenn Ihre Kitten konsequent innerhalb des Rassestandards angesiedelt sind und Sie als ehrgeiziger Züchter zudem an einer praktischen Vervollkommnung des aktuellen Standards mitarbeiten wollen, dann werden Sie ganz sicher regelmäßig Katzenausstellungen besuchen und Ihre Tiere dort präsentieren. Dieses Forum brauchen Sie auch schon deshalb, um Ihre Katzen von objektiven Fachleuten begutachten zu lassen und um so an die begehrten Punkte zu kommen – denn wie machen sich denn ansonsten auf Dauer Ihre Stammbäume, in denen sich in den obersten Zeilen nicht einmal Angaben wie ”Int. Ch.” oder zumindest ”Ch.” finden lassen …
Die Sache ist nun aber ein ganz gewaltiger Kostenfaktor, Erst einmal haben Sie bei Beginn Ihrer Hobbyzucht vielleicht das Pech, nicht gerade nach Lindau oder Trier gezogen zu sein, von wo aus man folglich mehrere Nachbarstaaten im Handumdrehen erreichen kann. Das aber ist unumgänglich, da Sie in mehreren Ländern ausstellen müssen, um auf der Punkteskala ganz nach oben zu kommen, Wer also einfach das Pech hat, in Bebra oder Fulda zu wohnen, von wo aus er erstmal – egal in welche Himmelsrichtung – locker mehrere hundert Kilometer fahren darf, um ins Ausland zu kommen, kann ein Lied von den Fahrtkosten singen. Dazu gesellen sich für weiter entfernte Ausstellungen im In- und Ausland dann meist noch Übernachtungskosten für zumindest zwei Personen. Damit aber noch nicht genug. Das Ausstellen pro Tier und pro Tag kostet auch Geld – und seien es auch nur annähernd um die 35 DM je Katze und Tag. Bei sechs Katzen und zwei- Tagen haben Sie nämlich auf diese Weise schon locker die 400-DM-Grenze überschritten – und das mit ungewissem Erfolg. Denn: vielleicht kommt es so, dass Sie neue Kontakte – auch zu Kaufinteressenten – knüpfen, sich aber die Richter nicht dazu herablassen können, gerade ihre Tiere zu prämieren. Dabei ist vielleicht sogar der Zufall schuld, denn wenn in „Ihrer” Rasse und Ihren Farben nun gerade besonders viele Aussteller angereist sind, haben Sie grotesker weise schon einmal automatisch weniger Chancen auf einen Pokalerfolg. Im extremsten Fall investieren Sie Zeit und Geld für quasi nichts und bescheren sich und Ihren Katzen überdies jede Menge Stress. Es ist für Ihre eigene Bilanz sicher nicht übertrieben, wenn Sie zu einer entfernten Zwei- Tagesausstellung mit einer Handvoll Katzen anreisen, dafür quantifizierter Gesamtkosten von 800 bis 1.000 DM an setzen, die Ihre realen gesamten Aufwendungen darstellen. (Es ist aber auch problemlos möglich, wenn man z.B. in Paris ein Ausstellungswochenende verbringt und „nur” 480 Kilometer einfachen Weg zur Show hat und über den Verschleiß des Fahrzeugs noch nicht einmal nachdenkt, mit nur zwei Katzen und zwei Übernachtungen allein für Benzin, Autobahngebühr, Meldekosten und Hotel sowie Verpflegung, 1.500 DM auszugeben, ohne in Luxus zu schwelgen …) Das aber können Sie unmöglich auch noch auf den Verkaufspreis Ihrer Jungtiere umlegen …
Der Tierarzt als Dein Freund und Helfer
Weiter vorn haben wir schon die Impfkosten angesprochen. Dummerweise sind das die berühmten „Peanuts” auf den Tierarztrechnungen – und fast jeder Züchter, der sich die Mühe macht, drei Jahre lang alle Veterinärrechnungen aufzuheben, wird zu dem Schluss gelangen, dass die unplanmäßigen Tierarztkosten die vorausberechenbaren Standardgebühren bei weitem übertroffen haben. Sollte ein Tier aufgrund körperlicher Defekte aus Ihrer Zucht herausgenommen werden, ist es Ehrensache, dass Sie die komplette Behandlung durchführen lassen, bevor Sie die Katze zu einem dann auch noch ermäßigen Liebhaberpreis abgeben werden – sofern Sie sich von dem Tier trennen wollen oder aufgrund von Raumnot glauben trennen zu müssen. Dabei kann eine einfache Zahnsanierung bereits mit 200 DM aufwärts zu Buche schlagen – und eventuell zusätzlich die Kastration, die auch nicht umsonst ist. Auch der Umgang mit Züchterkollegen kann Ihnen und Ihren Tieren durchaus ein paar schmerzhafte Zusatzerfahrungen bescheren. Nicht alle Deckadressen, zu denen Sie brav mit Ihren Gesundheitspapieren (und Ihrer Katze, versteht sich) anreisen, sehen es mit ihrem Verantwortungsgefühl und ihrer Moral vielleicht so eng wie Sie selbst.
Wo bleibt die Kostentransparenz
Welche und wie viele Tiere Sie haben, wie Sie es mit Deckkosten, Ausstellungen und Fachanzeigen handhaben – und welche Kostenfaktoren durchschnittlich bei Ihrer eigenen Zucht eingehen, das können nur Sie selbst auseinanderdröseln. Ich rate Ihnen aber dazu, das einmal zu tun – und das Resultat dann als Anschauungsbeispiel in lesbarer Form aufzubereiten. Vielleicht werden Sie auf diese Weise zu dem Resultat kommen, für jedes Jungtier müssten Sie „eigentlich” 4.000 DM aufwärts verlangen, was aber am Markt nicht durchzusetzen ist. Die Summe, die dabei herauskommt, ist auch nicht von primärer Relevanz, meine ich. Um so wichtiger ist es aber, dass Sie Katzenliebhabern und Kaufinteressenten einmal emotionslos und anschaulich aufzeigen können, welche Mühen und Kosten auf Sie zugekommen sind, bis Sie ihnen dann eine aufgeweckte und gesunde Rassekatze mit gutem Stammbaum präsentieren können, für die man sich als Katzenfan dann entscheiden kann. Wenn Liebhaber sich dieser Wahrheit nicht verscheißen und wissen, wieso die kleinen Lebewesen aus Ihrer Zucht etwas wahrhaftig Besonderes darstellen, dann merken alle Beteiligten rasch, dass die Kaufpreisdiskussion und der Vergleich mit Tieren, die man fast umsonst bekommt, auf gänzlich verschiedenen und überhaupt nicht vergleichbaren Ebenen ablaufen.
Kostenfaktoren und Preisvorstellungen sind halt die eine Seite, aber die Tiere in ihrer Einzigartigkeit sind die andere. Und da geht’s primär überhaupt nicht ums Geld …
Quelle:
(Auszüge eines Berichtes der Zeitschrift Katzen extra, Heft 3/99 von Ingo Fausmann)
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des SYMPOSION Verlages. http://www.symposion-online.de
